Der Ablauf der mikroskopischen minimalinvasiven Wurzelspitzenresektion(= WSR)

Grundsätzlich ist zu sagen, dass häufig vorbereitend im Zusammenhang mit einer WSR die zuvor durchgeführte Wurzelkanalfüllung erneuert werden muss. (Siehe Revision).

Der chirurgische Eingriff findet in folgenden Schritten statt:

  1. Freilegung der Wurzelspitze
    Im ersten Schritt wird nach einer Anästhesie die Mundschleimhaut über der Wurzelspitze gelöst und angehoben, um den Knochen über der Wurzelspitze freizulegen.
  2. Das Entzündungsgewebe wird entfernt und der Bereich um die Wurzelspitze gesäubert.
  3. Die Wurzelspitze wird um 3 mm gekürzt. Damit werden die nahe der Wurzelspitze besonders häufigen und prognostisch problematischen Kanal-Verzweigungen reduziert. Zugleich entsteht dabei ein Plateau, auf dem die Wurzelkanalfüllung gut angebracht werden kann.
  4. Die Ursache des vorangegangenen Behandlungsmisserfolgs muss erkannt werden, wie z.B. zuvor nicht erkannte Kanäle oder Isthmen zwischen mehreren Kanälen.
  5. Sollte eine Längsfraktur gefunden werden, ist der Zahn so nicht erhaltungsfähig, weil sich unausweichlich im Bruchspalt eine schmerzhafte massive Infektion entwickeln wird. Mehr siehe Längsrisse/Längsfraktur
    Die Behandlung muss sich ändern: Bei dreiwurzligen Zähnen wird in günstiger Konstellation die betroffene Wurzel entfernt. Mehr siehe Mikrochirurgie/ Wurzelamputation
    In allen anderen Fällen muss der ganze Zahn baldmöglichst entfernt werden.
  6. Reinigung des Wurzelkanals
    Mit grazilen Ultraschallspitzen wird der Wurzelkanal von der Wurzelspitze her aufbereitet und gereinigt. Für eine schonende und sichere Durchführung, besonders im Sinne einer zielsicheren und vollständigen Reinigung unter Einbeziehung aller Unregelmäßigkeiten des Kanalquerschnitts von der Wurzelspitze aus, sind grazile Spezialinstrumente wie z.B. feine Ultraschallspitzen und Sonden erforderlich.
  7. Wurzelkanalfüllung
    Zur Füllung der Wurzelkanäle sind feinste Füllspatel und Stopfer notwendig. Das bei uns verwandte MTA ist seit 20 Jahren verfügbar und aufgrund der seit 10 Jahren wissenschaftlich belegten hohen Erfolgsquoten die erste Wahl. Es ist gewebeverträglich, sehr gut bakteriendicht, dauerhaft und gut härtend. Der Knochen wächst gern an MTA heran und bildet regelmäßig einen neuen Parodontalspalt.
  8. Wundverschluss
    Das Wundgebiet wird mit haarfeinen Nähten verschlossen. Das Ergebnis wird mit einem Röntgenbild überprüft.
  9. Heilung
    Bei erfolgreicher Behandlung heilt der Knochendefekt nach einem Zeitraum von mehreren Monaten.
  10. Nachkontrolle
    Das Heilungsergebnis wird mit Röntgenbildern in regelmäßigen Abständen kontrolliert.
Abb. S1-001
Im Lauf der letzten 2 Jahre fanden mehrere Behandlungsversuche statt. Beim letzten Termin 3 Tage zuvor wurde Material in den Knochen gepresst. Seitdem bestehen extrem starke Schmerzen.
Abb. S1-002
Zustand nach Revision. Die erste unvollständige Wurzelfüllung bestand aus extra hartem Zement – was unüblich ist – und setzte der Entfernung besondere Schwierigkeit entgegen.
Abb. S1-003
In einem mikrochirurgischen Eingriff wurde der überstopfte Zement aus dem Knochen entfernt.
Abb. S1-004
Inspektion der Wurzelspitze von unten mit dem OP-Mikroskop.
Abb. S1-005
20-fache Vergrößerung: Die bei der Revision von oben eingebrachte Wurzelfüllung erweist sich bei der Kontrolle von unten als dicht und vollständig. Seitenkanäle, Risse oder sonstige Probleme können mit dem OP-Mikroskop hier ausgeschlossen werden. Die Wurzel bleibt daher vollständig erhalten. Es gibt keinen Grund, sie zu kürzen.
Abb. S1-006
Röntgenkontrolle: Das überstopfte Material ist vollständig entfernt. Die Schmerzen klangen rasch ab.
Ein Jahr später: Der Knochen regeneriert. Der Zahn ist schmerzfrei und voll belastbar. Das Zahnfleisch ist gesund und blutungsfrei.
Zwei Jahre später: Der Knochen ist vollständig regeneriert.
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