Mischformen von endodontischen und parodontalen Entzündungen (Endo-Paro-Läsionen)

Echte Endo-Paro-Läsionen entstehen, indem sich eine im Wurzelkanal entstandene Entzündung Abfluss entlang der Wurzeloberfläche zum Zahnfleischsaum verschafft - dann bildet sich eine tiefe, schmale Tasche. Daraus entleert sich auf Druck oder spontan Eiter oder Sekret. Echte Endo-Paro-Läsionen entstehen im Gegensatz zu einer reinen parodontalen Infektion schnell und zerstören das Gewebe. Auf der Wurzeloberfläche bleiben bei der echten Endo-Paro-Läsion regenerationsfähige Gewebereste zurück.

Daher darf die Tasche nicht mit der Curette ausgekratzt werden. Die Therapie besteht allein in einer Wurzelbehandlung. Engmaschige Kontrollen erfolgen, bis die Tasche ausgeheilt ist. Die Sekretion von Eiter endet meist rasch. Schon nach wenigen Tagen schließt sich in der Regel die Haut über dem Defekt. Der Knochen braucht bis zu zwei Jahre Zeit für die Regeneration. Sie sollte mit Röntgenbildern überwacht werden. Chirurgische Maßnahmen sind nicht erforderlich.

Abb. S6 001
Endo-Paro-Läsion an 46
Abb. S6 002
11mm Sondiertiefe in Endo-Paro-Läsion
Abb. S6 003
2 Monate später, Sondiertiefe nur noch 2 mm statt 11mm
Abb. S6 004
Vollständige Regeneration 2 Jahre später

Bei echten Paro-Endo-Läsionen ist der Ablauf umgekehrt. Aus einer Parodontitis entwickelt sich bei großen Taschentiefen von unten, von der Wurzelspitze aufsteigend eine Infektion des Zahnmarkes. Die Prognose des Zahnes ist dann wesentlich schlechter, weil eine Regeneration des Zahnhalteapparates meist nicht eintritt. Als Unterstützung eines parodontalchirurgischen Erhaltungsversuches kann eine endodontische Behandlung notwendig sein.

Abb. S6-005
Eine echte Paro-Endo-Läsion ist aus der parodontalen Tasche entstanden. Der Knochen fehlt bis zur Wurzelspitze.
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