Häufige Fragen zu Wurzelspitzenresektion

Kurzinformation: Siehe Downloads - Kurz und bündig - VDZE-Flyer Wurzelspitzenresektion

Wann führt man die minimalinvasive Wurzelspitzenresektion durch?

Wenn eine Entzündung an der Wurzelspitze weiter besteht, nachdem auf dem normalen Weg - durch den Wurzelkanal - alle Möglichkeiten der Wurzelbehandlung ausgeschöpft sind, kann eine Wurzelspitzenresektion erforderlich werden. Ursache können z.B. sein:

  • Abgebrochene Instrumente, die nicht entfernt werden können
  • Sehr dünne und bruchgefährdete Wurzelwände, die eine Entfernung eines Wurzelstiftes auch mit dem Mikroskop zu risikoreich machen
  • Seitenkanäle, Isthmen und andere anatomische Besonderheiten, die einer vollständigen Wurzelfüllung vom Kanaleingang her auch mit dem Mikroskop nicht zugänglich sind
  • Aus dem Wurzelkanal in den Knochen gelangtes Fremdmaterial, das entfernt werden muss, wie z.B. überpresstes Wurzelfüllmaterial, abgebrochene Instrumente, aus Perforationen herausragende Wurzelstifte und dergleichen.

Wann führt man die minimalinvasive Wurzelspitzenresektion nicht durch?

Wenn eine korrekte Wurzelfüllung der erhaltungswürdigen Kanalabschnitte nicht schon vorliegt, muss sie vorbereitend vor der minimalinvasiven Wurzelspitzenresektion erfolgen. Sollte dies nicht möglich sein, so sollte die Wurzelspitzenresektion mangels Erfolgschancen unterbleiben.
Eine Längsfraktur der Wurzel verursacht im Röntgenbild oft Veränderungen, die mit einer Entzündung unter der Wurzelspitze bzw. mit einer nicht erfolgreichen und verbesserungsfähigen Wurzelfüllung verwechselt werden können.
Der betroffene Zahn kann nicht gerettet werden und muss rasch entfernt werden, weil sonst schnell große Verluste an Knochen eintreten und einen späteren Zahnersatz mit einer Implantation erschweren oder gar verhindern.

Wie steigert das Operationsmikroskop die Erfolgsrate einer Wurzelspitzenresektion?

Die Erfolgsrate der konventionellen Wurzelspitzenresektion ohne Operationsmikroskop beträgt etwa 59%.
Die Erfolgsrate der Wurzelspitzenresektion beträgt mit einem Operationsmikroskop und unter Anwendung modernster Methoden etwa 94%.
Die Ergebnisse stützen sich auf Studien aus 43 Jahren in fünf Sprachen und haben nur eine Irrtumswahrscheinlichkeit von nur 0,0005%:
Setzer FC1, Shah SB, Kohli MR, Karabucak B, Kim S. J Endod.
Outcome of endodontic surgery: a meta-analysis of the literature--part 1:
Comparison of traditional root-end surgery and endodontic microsurgery.
2010 Nov;36(11):1757-65. doi: 10.1016/j.joen.2010.08.007. Epub 2010 Sep 17.
Kostenlose Zusammenfassung hier: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20951283

Sind Misserfolge und Komplikationen bei einer Wurzelspitzenresektion häufiger, wenn sie mit konventionellen Methoden ohne Operationsmikroskop durchgeführt wird?

Die Misserfolgsrate der konventionellen Wurzelspitzenresektion ist fast 6 mal höher, nämlich 41% ohne Operationsmikroskop im Vergleich zu 6% mit Operationsmikroskop.
Der Beleg:
Setzer FC1, Shah SB, Kohli MR, Karabucak B, Kim S. J Endod.
Outcome of endodontic surgery: a meta-analysis of the literature--part 1:
Comparison of traditional root-end surgery and endodontic microsurgery.
2010 Nov;36(11):1757-65. doi: 10.1016/j.joen.2010.08.007. Epub 2010 Sep 17.
Kostenlose Zusammenfassung hier: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20951283

Mit welcher Qualifikation führt ein Kieferchirurg bzw. ein Oralchirurg eine Wurzelspitzenresektion durch?

Wenn eine Wurzelbehandlung Komplikationen ergeben hat oder gescheitert ist, stellen sich folgende Fragen, bevor der Patient unterstützt vom ärztlichen Rat die richtige Therapie wählen kann:

Diese Fragen zu beantworten erfordert eine endodontologische Qualifikation.
In nur wenigen Fällen verfügen der Allgemeinzahnarzt und der Kieferchirurg über eine umfangreiche endodontologische Ausbildung, die zur korrekten Beantwortung der obigen Fragen notwendig ist.
Mehr Information: (Team) Qualifikationen in der Endodontologie

 

Was kann man nach dem Scheitern einer Wurzelspitzenresektion tun?

Eine zweite Wurzelspitzenresektion schwächt das Fundament noch mehr als die erste. Das ist in Ausnahmefällen vertretbar, wenn Diagnose, Zielsetzung und Methodik des zweiten Eingriffs eine wesentliche Verbesserung erwarten lassen.
Wenig bekannt ist, dass nach einer gescheiterten Wurzelspitzenresektion immer noch die vollständige Desinfektion des Kanalsystems mit einer Revision konservativ und unblutig nachgeholt werden kann, sofern alles Fremdmaterial schonend genug entfernt wird. Das bedeutet einen erneuten Eingriff „von oben“, also von der Zahnseite her und damit eine wesentlich schonendere Vorgehensweise – ohne Substanzverluste an Kieferknochen und Zahnwurzel, die Folgen jeder Wurzelspitzenresektion sind.
Dafür wird die Revision mit speziellen Zusatztechniken durchgeführt. Ein gutes Mikroskop und spezielle Qualifikation sind erforderlich. Aufwand und Schwierigkeit sind deutlich höher als an Zähnen ohne vorherige Wurzelspitzenresektion.
So kann nach dem Scheitern einer ohne Mikroskop durchgeführten Wurzelspitzenresektion doch noch ein Behandlungserfolg erzielt werden. In solchen, leider nicht seltenen Fällen wird aus dem Verlauf klar, dass die Wurzelspitzenresektion vermeidbar bzw. überflüssig war.
Mehr Information: Revision - nach Wurzelspitzenresektion

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