Konservative unblutige Korrektur einer fehlgeschlagenen Wurzelspitzenresektion (Orthograde Revision)

Es gelten alle Aussagen, die zuvor schon über Revisionen und über das Entfernen von Wurzelstiften gemacht wurden. Solche Zähne profitieren angesichts der bereits eingetretenen Verluste an Zahnsubstanz besonders von einer schonenden Behandlung. Wenn es möglich ist, sollte nicht noch ein weiteres Mal chirurgisch eingegriffen werden.

Resezierte, also Zähne, an denen eine Wurzelspitzenresektion vorgenommen wurde, sind oft von der Wurzelspitze her gefüllt worden. Wenn dies ohne Mikroskop geschehen ist, so ist die Dichtigkeit nicht zu gewährleisten. Es ist in vielen Fällen möglich, die von der Außenseite angebrachte Füllung von innen durch den Zahn schonend zu entfernen, den Zahn komplett zu desinfizieren und dann neu aufzubauen. Ein Langzeitprovisorium kann dann erforderlich sein.

Die Prognose hängt wesentlich davon ab, ob die Menge und Struktur der vorhandenen Zahnsubstanz für die neue Versorgung eine gute Langzeitprognose erlaubt. Sollte dies nicht der Fall sein, ist einem Implantat der Vorzug zu geben.

Der Aufwand für den Erhalt eines resezierten Zahnes ist geringer als für ein Implantat. Mit einem Implantat verbinden sich die Unannehmlichkeiten der vorübergehenden Zahnlücke und auf lange Sicht die Risiken der Periimplantitis. Darunter versteht man - analog zur Parodontitis - die entzündliche Zerstörung des Knochens rund um das Implantat mit der Folge, dass das Implantat verloren geht.

Mehr zur Periimplantitis: Downloads/Linkliste - Periimplantitis Information der MH Hannover

Vorteile des Zahnerhalts:

  • Der eigene Zahn hat einen natürlichen vertikal geschwungenen Zahnfleischsaum. Der Zahnfleischsaum ist seit Jahrzehnten in Funktion. Der Zahnfleischsaum um ein Implantat hingegen ist neu und die Implantatschulter ist nicht geschwungen, sondern horizontal kreisrund. Gerade im sichtbaren Bereich der oberen Frontzähne ist der Unterschied deutlich. Zwar können mit vielen Sitzungen, Geduld und hohem Aufwand Papillen – also ein künstlich wieder geschwungener Zahnfleischsaum – manchmal nachträglich an Implantaten geschaffen werden, aber die Pflege ist dann deutlich komplizierter als am eigenen Zahn. Pflegeprobleme sind ein Hauptfaktor für Periimplantitis.
  • Mit dem eigenen Zahn und der Herstellung der Krone durch das Labor bleibt die Patientin und der Patient frei von den Begleiterscheinungen und Risiken eines oder mehrerer chirurgischer Eingriffe. Bis nach dem Zahnverlust ein Implantat belastet werden kann, vergehen viele Monate.
  • Die komplette endodontologische Sanierung eines bereits erfolglos mit Wurzelspitzenresektion vorbehandelten Zahnes erfolgt in einigen Stunden. Wer sich dafür entscheidet, freut sich längst über seine neue Krone auf dem geretteten Zahn, während im Fall der Zahnentfernung und nachfolgender Implantation noch nicht einmal die erste Wunde verheilt ist, geschweige denn die weiteren. Die Operationsbedingungen und Heilungschancen sind für ein Implantat in solchen Fällen zudem oft deutlich eingeschränkt durch die Knochenverluste und narbige Einschränkungen der Durchblutung als Folge der Wurzelspitzenresektion.

Fallbeispiel 1

Die Vorgeschichte:
27 Jahre vor diesem Röntgenbild erhielten die Zähne 11 und 12 eine Wurzelbehandlung.
Es bildete sich einige Monate später eine Zyste und ein Abszeß.
Eine Wurzelspitzenresektion wurde an beiden Zähnen durchgeführt.

Ein Jahr später war die Zyste doppelt so groß. Die Zähne waren stark gelockert. Es gab starke Beschwerden. Es wurde eine erneute Wurzelspitzenresektion an 11 und 12 durchgeführt. Dabei wurden die Wurzeln nochmals gekürzt und am Kanalende eine neue Wurzelfüllung aus Glasionomerzement angebracht. Das entsprach damals dem Stand der Technik. Als Gründe für den vorangegangenen Behandlungsmisserfolg verzeichnen die Unterlagen bei der ersten Wurzelbehandlung:

  • Mangelhaft durchgeführte Aufbereitung und Desinfektion

bei der zweiten Behandlung, der Wurzelspitzenresektion:

  • Nichterkennen und Nichtbehandeln eines schlitzförmigen Kanalprofils mit einem weiter bestehenden Infektionsweg
  • unpräzise Arbeitsweise bei der Anbringung der Füllungen am Kanalende

Die Beschwerden verschwanden. Die Zyste heilte aus. Die Zähne wurden wieder fest. Sie erhielten neue Kronen.

Aktueller Befund:
2011 entstanden nach 25 beschwerdefreien Jahren erneut Schmerzen an Zahn 11. Der Patient wünschte weiterhin seine Zähne zu behalten. Mit umfassender Diagnostik wurden zunächst alle anderen denkbaren Schmerzursachen ausgeschlossen.

Es blieb als Schmerzursache eine erneute Infektion, verursacht durch Keime, die im Zahn die 25 Jahre überlebt hatten und jetzt wieder vordrangen. Die auf früheren Röntgenbildern sichtbare Füllung am Kanalende war nun nicht mehr sichtbar. Der Zement hatte sich aufgelöst. Damit war der Weg für eine erneute Infektion frei.

Ausgangssituation Februar 2011

Die Zähne 11 und 12 haben Kronen und Stiftaufbauten aus Metall.
12 hat viel Substanz verloren durch einen dicken Wurzelstift. Weitere Substanz ging verloren durch die falsche Richtung der Stiftbohrung. (Blauer Pfeil)

11 hat viel Substanz verloren durch eine 1984 gesetzte und bald wieder entfernte sehr dicke Schraube. (Orange Pfeile) Die Wurzel von 11 ist stark gekürzt durch die vorangegangenen Wurzelspitzenresektionen. Die gelben Pfeilspitzen zeigen etwa auf die ursprünglichen Wurzelspitze.

Behandlungsplan

Eine erneute Wurzelspitzenresektion schied als Option aus, da weiteres Kürzen der Wurzel nicht vertretbar ist. Auch wäre eine vollständige Desinfektion des Wurzelkanals nicht möglich, bevor nicht alles alte Material als Anheftungszone und Nährboden der Keime vollständig entfernt ist.

Daher fiel die Entscheidung, Krone, Stiftaufbau und Wurzelfüllung komplett zu entfernen. Damit ist der Kanal zum Knochen hin weit offen. Vorkehrungen sind notwendig, um bei Spülen und Desinfizieren zwar den Kanal vollständig zu desinfizieren, zugleich aber ein Austreten der Spüllösungen und dadurch mögliche Gewebeschäden zu vermeiden.

Die Lösung liegt in einer später sich selbstauflösenden Membran aus Kollagen als Barriere am Kanalende. Diese ist so exakt anzubringen, dass beiden Ziele erreicht werden, obwohl sie auf den ersten Blick unvereinbar scheinen.

Zudem ist der Zahn schon weit aufbereitet und hat durch eine frühere dicke Schraube viel Substanz verloren. Substanzverluste durch weiteres Aufbereiten des Kanals sind zu vermeiden.
Erfolgsfaktoren der Behandlung sind:

  • Maximale Schonung der massiv vorgeschädigten Substanz
  • Optimale desinfizierende Spülung mit mehrfach erhöhtem Einsatz an Spülmenge und Spülzeit
  • Dauerhafte Abdichtung des Kanals mit gewebeverträglichem Zement (MTA)
  • Stabilisierung der Zahnsubstanz und Minimierung der stark erhöhten Frakturrisiken durch Klebetechnik
  • Präzise, hochbelastbare und schonende Stiftverankerung
  • den Zahn weit genug und sehr präzise umfassende Kronenpräparation
  • Hochpräzise (Toleranz 0,01 mm) Anpassung der Funktionsflächen und Vermeiden jeglicher Fehlbelastungen
Blick bis zum Knochen (Pfeil) während des Spülvorgangs
Die neue Abdichtung aus dem dauerhaften und sehr knochenfreundlichen Zement MTA
Der neue Wurzelstift ist eingeklebt
 
Aufbau im Rohzustand
Röntgenkontrolle mit MTA (grüner Pfeil)
Wurzelstift aus Zirkonoxid (blauer Pfeil)
Aufgefüllter Defekt durch frühere Fehlbohrung (orange Pfeile)
Fertiger Aufbau und Kronenpräparation. Die Zahnsubstanz wird 1,5mm weit ringsum gefasst. Da Zahn 12 beschwerdefrei ist, wird nur die Krone erneuert, der Stiftaufbau bleibt bestehen.
2012 – ein Jahr nach Behandlung. Es bestehen keine Beschwerden. Die Zähne sind fest. Das Zahnfleisch ist gesund und blutungsfrei. Der Knochen ist intakt.
2014, drei Jahre nach Behandlung. Der Befund ist gleichbleibend seit 2011.
Drei Jahre nach Behandlung.
 

Lassen Sie sich zu Ihren individuellen Möglichkeiten beraten. Wir helfen Ihnen gerne.

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