Die Diagnose

Eine Diagnose wird nach dem Sammeln aller verfügbaren Grundlagen gestellt:

  • Mitteilungen der Patientin bzw. des Patienten
  • Befunde und direkte Untersuchungen der Zahnärztin und des Zahnarztes bzw. der Ärztin und des Arztes
  • ggf. Röntgenuntersuchungen und Laboruntersuchungen
  • ggf. Beratungen mit Ärztinnen und Ärzten anderer Fachrichtungen

Aus den Informationen wird in einem mehrstufigen Prozess durch das Ordnen und ggf. Nachfordern, das richtige Interpretieren und Bewerten die ärztliche Diagnose abgeleitet. Die Diagnose ist eine originäre zentrale ärztliche Leistung - so individuell wie die Patientin bzw. der Patient selbst.

Schmerzdiagnostik

Die Schmerzdiagnostik hat immer den ganzen Menschen im Blick – sie beschränkt sich nicht auf den einzelnen Zahn oder das Gebiss. Voraussetzung dafür ist die eingehende Kenntnis von Aufbau und der Funktionsweise des menschlichen Nervensystems.

Erweiterte Diagnostik bei ungeklärten Schmerzzuständen

Was ist Ursache der Schmerzen oder Beschwerden?

Erkrankungen und Schmerzzustände anderer Organe können sich über Nervenverbindungen auf die Zähne "projizieren", also ein Zahnproblem vortäuschen, während die Zähne gesund oder jedenfalls nicht die Ursache der Beschwerden sind:

  • Virusinfektionen
  • Muskelverspannungen
  • Kiefergelenkprobleme
  • Erkrankungen der Nasennebenhöhlen oder des Ohrs
  • Nervenentzündungen
  • im Gehirn lokalisierte Störungen
  • Vorstufen eines Herzinfarktes

können selten irrtümlich als Zahnproblem gedeutet werden.

Daher sind die genaue Befragung und Untersuchung der Patientin bzw. des Patienten sehr wichtig. Erfahrung, Qualifikation und die enge Kooperation der Zahnärztin und des Zahnarztes mit den Fachärztinnen und -ärzten anderer Gebiete bieten dann die beste Möglichkeit, selbst in schwierigen Fällen die richtige Diagnose zu finden.

Welcher Zahn ist für die Schmerzen verantwortlich?

Schmerzen treten nicht immer dort auf, wo sie entstehen. Beispiel: Schmerzen am unteren Backenzahn werden empfunden, obwohl ein oberer Schneidezahn die Ursache ist – oder auch umgekehrt.
Bei vielen Schmerzzuständen strahlen die Schmerzen so aus, dass aus einer Zahnreihe mehrere verdächtige Zähne als Ursache in Betracht kommen. Nicht selten werden aufgrund der Angaben und Erwartungen einer Patientin bzw. eines Patienten unnötig Zähne behandelt oder sogar entfernt, die nicht für das akute Problem verantwortlich sind.

Beispiel 1

Starke Schmerzen bestehen seit 5 Tagen.
Das Röntgenbild zeigt:

  • Zahn 17 ist unzureichend wurzelbehandelt. Zwei von drei Kanälen wurden nicht behandelt
  • Zahn 15 ist unzureichend wurzelbehandelt. Ein abgebrochenes Instrument ist sichtbar, davor eine Stufe
  • Zahn 14 ist unzureichend wurzelbehandelt, die korrekte Länge wurde weit verfehlt

Als Schmerzursache in Verdacht war bei verschiedenen Behandlern zunächst Zahn 17, dann Zahn 15, dann Zahn 14. Eine gründliche Abklärung unterblieb.

Folgeschaden der unzureichenden Diagnostik
So behielt der Patient seine Schmerzen, welche sich im Verlauf mehrerer Tage immer mehr steigerten - von einem Praxisbesuch zum nächsten.

Ergebnis
Eine erneute vollständige Untersuchung wurde erforderlich und ergab:
Zahn 16 hatte eine akute schubweise auftretende Entzündung des Zahnmarks mit wechselnder Symptomatik und ist für die aktuellen Schmerzen verantwortlich.

Der Patient war durch die lange Dauer der Schmerzen und durch den Schlafentzug nervlich und kräftemäßig ”am Boden”.
Die endgültige Diagnostik war daher von vielen Unsicherheiten des Patienten und durch widersprüchliche Angaben extrem erschwert und erforderte zur Absicherung zahlreiche zeitaufwändige Mehrfachtestungen, um nicht irrtümlich den falschen Zahn zu behandeln.

Beispiel 2

Starke Schmerzen bestehen seit 10 Tagen.
Der überkronte Zahn 27 wurde beim Versuch einer Wurzelbehandlung durchbohrt (Roter Pfeil, mehr siehe Perforations-Abdichtung. Die Wurzelkanäle wurden nicht gefunden.
Der gefüllte Zahn 26 verlor beim Versuch einer Wurzelbehandlung unnötig viel Substanz durch Suchbohrungen (orangener Pfeil) ohne ausreichende anatomische Kenntnisse des Behandlers.
Die Zähne 26 und 27 wurden beide unnötig behandelt.
Zahn 25 hat eine akute Entzündung des Zahnmarks und ist für die aktuellen Schmerzen verantwortlich.

Bei primär korrekter Diagnose hätte nur Zahn 25 eine fachgerechte Wurzelbehandlung benötigt und die Schmerzen wären am selben Tag abgeklungen.

Folgeschaden der unzureichenden Diagnostik
Nun sind zusätzlich zwei aufwändige Wurzelbehandlungen an den Zähnen 26 und 27 notwendig.
Unnötig erschwerend kommt hinzu,

  • dass die Zähne ohne Kofferdam behandelt und der Infektion durch die Keime des Speichels ausgesetzt wurden
  • dass kein keimdichter Verschluss angelegt wurde, sondern dass 26 und 27 nach der Behandlung offengelassen wurden und durch diese Unterlassung des Vorbehandlers noch weiter massiv infiziert wurden Mehr dazu: Zahn offen lassen oder verschließen?
  • dass unnötig eine Perforation entstand
  • dass anstatt einer funktionsfähigen Füllung an Zahn 26 und der zuvor funktionsfähigen Krone an Zahn 27 diese beiden Zähne nach den Wurzelbehandlungen als Nachfolgerestaurationen nun beide Zähne neue Kronen benötigen werden.

Wie die Beispiele zeigen, hat korrekte Diagnostik für den Patienten großen Wert.
Fazit: Eine zielgerichtete erfolgreiche und schonende Behandlung ist erst nach vorheriger gründlicher und vollständiger Untersuchung möglich.
Mehr dazu siehe: zahnärztliche Diagnostik

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