Die Kronenverlängerung

Eine Kronenverlängerung kann für den Zahnerhalt mitentscheidend sein. Karies im Wurzelbereich oder eine Fraktur einer Zahnwand bedrohen den Zahnerhalt.
Die dauerhafte und bruchsichere Restauration des Defekts mit einer Krone setzt voraus, dass mindestens 3 mm gesunde Zahnsubstanz aus dem knöchernen Zahnfach (Alveole) herausragen, die so genannte ausreichende „biologische Breite”. Von diesem Raum benötigt das Zahnfleisch 1,5 mm für eine dauerhaft gesunde und stabile Anheftung an der Zahnoberfläche. Ebenfalls 1,5 mm hoch muss die Umfassung der gesunden Zahnsubstanz durch einen exakt der Präparation entsprechenden Kronenrand sein. Dafür wurde auch der Begriff „Fassreifeneffekt“ geprägt.
Neben vielen weiteren Erfolgsfaktoren ist der „Fassreifeneffekt“ für den Zahn der wichtigste Schutz vor der Längsfraktur. Mit einem mikrochirurgischen Eingriff kann die fehlende biologische Breite gewonnen werden.

Abb. S5-001
Fortgeschrittene Karies an Zahn 23
Abb. S5-002
Unmittelbar nach Abnahme der alten Brücke. In dieser Form ist der Zahnrest nicht nutzbar.
Abb. S5-003
Auch an Zahn 21 desselben Patienten ist tiefe Karies.
Abb. S5-004
Als Fundament scheint dieser Zahnrest kaum geeignet.
Abb. S5-005
Nach Entfernen der Karies entsteht ein präendodontischer Aufbau an Zahn 23
Abb. S5-006
Der fertige Aufbau an Zahn 23 ist eben hoch genug, um ein Spanngummi für die saubere Durchführung der Wurzelbehandlung anlegen zu können.
Abb. S5-007
Am Zahn 21 finden wir nach Entfernen der Karies erst in 3mm Tiefe unter Zahnfleischniveau gesunde Zahnsubstanz.
Abb. S5-008
Zahn 21 hat wie 23 einen ersten Aufbau für die Wurzelbehandlung erhalten. Als Provisorium wird darüber zunächst für einige Tage ein herausnehmbarer Zahnersatz getragen.
Abb. S5-009
Zahn 23 einige Tage später mit Wurzelfüllung und Stiftaufbau
Abb. S5-010
Zahn 21 nach Revision der Wurzelfüllung in Verbindung mit gleichzeitiger Revision der Wurzelspitzenresektion von innen durch den Zahn. Der von innen durch den Wurzelkanal eingebrachte gewebeverträgliche Zement MTA verschließt die durch die Wurzelspitzenresektion entstandene Öffnung und erspart so dem Patienten eine erneute Wurzelspitzenresektion.
Abb. S5-012
Die gesunde Substanz der Zahnwurzeln ist gerade weit genug freigelegt, dass die künstlichen Kronen die Wurzel 1,5mm weit umfassen und vor einer Längsfraktur zuverlässig schützen können. (Vergleiche dieselben Zähne in Abb. 002 und Abb. 004.) Zustand unmittelbar nach Nahtverschluss.
Abb. S5-013
7 Tage später: Die Zähne sind für ein laborgefertigtes Langzeitprovisorium vorbereitet, welches unmittelbar nach diesem Foto eingesetzt wird.
Abb. S5-014
Hochwertiges Langzeitprovisorium mit Goldgerüst und Verblendung aus Kunststoff. Eine Tragedauer von 6 bis 12 Monaten ist geplant, um dann nach endsprechenden Kontrollen die endgültige vollkeramische Brücke zu optimalen Bedingungen mit einer gut beurteilbaren Langzeitprognose folgen zu lassen.
Abb. S5-015
Die ästhetische Wirkung des Langzeitprovisoriums lässt den Patienten sehr entspannt und ohne jegliche Einschränkungen die Ausheilphase verbringen.

Auch die beste Kronenverlängerung entbindet die Zahnärztin / den Zahnarzt im Interesse des Zahnerhalts nicht von der Pflicht, alle vielfältigen weiteren möglichen Ursachen einer Wurzellängsfraktur aus seinem Behandlungsprotokoll so weit wie nur irgend möglich zu eliminieren.
Mehr dazu siehe Downloads/Linkliste – Dr. Martin Eggert u. PD Dr. Christian Gernhardt „Wurzellängsfrakturen – eine Literaturübersicht“
Alternativ zur Kronenverlängerung kann mit kieferorthopädischen Mitteln und höherem Aufwand die fehlende biologische Breite gewonnen werden, indem der betroffene Zahn in der Längsachse bewegt und dann wieder stabilisiert wird, bevor er eine Krone erhält. Aus ästhetischen Gründen kommt dies besonders im Frontzahnbereich als Alternative in Betracht. Hier finden wir im Rahmen einer individuellen Beratung gemeinsam mit der Patientin / dem Patienten die beste Lösung.

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