Goldhämmerfüllungen – der Goldstandard für Arbeitspräzision

Goldhämmerfüllungen sind eine sehr alte Technik. Perfektioniert wurde sie durch den New Yorker Zahnarzt Sanford Christie Barnum im Jahr 1864 - mit Kofferdam, den er erfand.

Er benötigte eine absolut saubere und trockene Umgebung, um Goldhämmerfüllungen zu erstellen. Dabei werden 0,001mm (=1µm) dünne Folien aus reinem (= 99,99%) Gold direkt im Zahn durch Hämmern auf der Zahnoberfläche und miteinander kalt verschweißt.  Das ist ein sehr zeitaufwändiger Vorgang, u.a. weil schon eine kleine Füllung an die hundert Folien verbraucht, die zuvor in mühsamer Handarbeit einzeln - penibel sauber und unter Schutzgas - vorzubereiten sind. Hierbei ist höchste Präzision geboten und Fehler werden nicht verziehen.

Feuchtigkeit, Speichel oder Blut verhindern, dass die nächste Schicht Gold sich mit der vorherigen verbindet. Unabhängig davon, wie klein die Menge und wie kurz die Dauer der Verunreinigung war, bedeutet jede Verunreinigung einen sofortigen vollständigen, unwiderruflichen und unübersehbaren Misserfolg der Behandlung, weil sich die nächste Goldfolie nicht mehr mit den bereits vorhandenen Goldfolien verbinden lässt.

Dann bestand nur die Möglichkeit, die gesamte Arbeit herauszubohren, Kofferdam beim nächsten Anlauf perfekt dicht anzulegen und vollständig alles wieder von Beginn an richtig zu machen.

Goldhämmerfüllungen zu erlernen ist eine sehr harte Schule, aber von hohem pädagogischem Wert. Der Lohn der Mühe ist eine Füllung mit folgenden Vorteilen:

  • Das Material ist beständig gegenüber allen Einflüssen. Es altert nicht.
  • Es gibt keinen Befestigungszement wie bei Kronen und Inlays, der durch vorzeitige Alterung die Lebensdauer der Arbeit verkürzt.
  • Die Randspaltbreite (=Passgenauigkeit) liegt bei weniger als 0,001 mm (=1µm) – und damit tausendmal besser als manche heutige Krone, bei denen immer wieder Spaltbreiten von 1000µm anzutreffen sind.
  • Ca. 1µm Durchmesser haben die Bakterien, welche erneut Karies verursachen, Sie können eindringen, sobald Randspalten größer als 1 µm vorhanden sind.
  • Allergische Reaktionen und sonstige Material-Unverträglichkeiten sind ausgeschlossen.

Die Lebensdauer von Goldhämmerfüllungen beträgt oft 30 – 40 Jahre und länger. Kein anderes Füllmaterial bietet diese Eigenschaften.

Die technischen Anforderungen an den ausführenden Zahnarzt hinsichtlich

  • Präzision
  • Optische Vergrößerung
  • Zeitaufwand
  • Arbeitsdisziplin

sind so hoch, dass nur sehr wenige Kollegen diese Methodik erlernen konnten und regelmäßig Goldhämmerfüllungen anfertigten.

Fallbeispiel:

Goldhämmerfüllung auf einer Kaufläche aus dem Jahr 1994, fotografiert 2019 nach 25 Jahren. Die Abmessungen sind ca. 0,7x1,6 mm. Unterschiede zum Erscheinungsbild 25 Jahre zuvor sind nicht erkennbar. Es ist nicht absehbar, ob und wann diese Füllung dereinst ein Ende ihrer Funktion erreichen wird.

Folgende Nachteile bestehen bei Goldhämmerfüllungen:

  • Gold ist mehrfach weicher als Zahnsubstanz.
  • Größere Füllungen widerstehen dem Kaudruck nicht, verformen sich und können Zahnfrakturen begünstigen.
  • Hohe Temperaturleitfähigkeit – eine isolierende Unterfüllung ist erforderlich.

Die Anwendungsmöglichkeiten sind beschränkt auf kleine Füllungen auf der Kaufläche oder am Zahnhals.

Im Jahr 2012 wurde die Gebührenposition für Goldhämmerfüllungen aus der zahnärztlichen privaten Gebührenordnung GOZ gestrichen. In der Gebührenordnung für Kassenpatienten BEMA war die Goldhämmerfüllung nie enthalten.

Die Quintessenz:

Für die Qualität und Dauerhaftigkeit von Kunststoff-Füllungen, Inlays, Aufbauten, Teilkronen ist Kofferdam gleich bedeutsam wie für Goldhämmerfüllungen. Das schöne weiße Äußere heutiger zahnärztlicher Arbeiten ohne Kofferdam ist millionenfach nur zu häufig ein trügerischer Schein, dem die Zerstörung folgt. Siehe

Der Unterschied - mit oder ohne Kofferdam
Stellenwert von Kofferdam

Das Unglück für die Patienten und Patientinnen ist, dass diese heute populären Techniken anders als Goldhämmerfüllungen bei Verarbeitungsfehlern nicht sofort herausfallen. Sie kleben oder klemmen teilweise an irgendwelchen Zahnpartien jahrelang fest, während die Karies ihr zerstörerisches Werk im Untergrund vollbringt und/oder zugleich die Parodontitis durch mangelhafte Ränder mit entsprechender Keimbesiedlung verursacht und verstärkt wird.

So bleibt es eher die Ausnahme, dass Verarbeitungsfehler erkannt und benannt werden. Nur in seltenen Ausnahmefällen übernimmt der Verursacher von Schäden und Zahnverlusten die Verantwortung dafür.

Goldhämmerfüllungen für die Zahnarzt-Ausbildung einzusetzen ist heute nicht mehr aktuell - der damit verbundene Lerneffekt in Sachen Qualitätsbewusstsein und Verantwortung für den Patienten bzw. die Patientin wäre jedoch vielen Zahnärzten zu wünschen.

So bleibt es immer eine schwierige Aufgabe für Patientinnen und Patienten, den Zahnarzt bzw. die Zahnärztin ihres/seines Vertrauens zu finden, der dem eigenen Anspruch an Qualität gerecht wird.

Dazu soll dieser Text Orientierung bieten.

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