Abgebrochene Instrumente (Instrumentenfragmente)

Dass bei einer Behandlung ein Instrument abbricht, darf nicht passieren - aber es kann passieren. Die Statistik gibt Bruchraten von 0,9% bis zu 28% je Wurzelbehandlung an. Ein abgebrochenes Instrument braucht weder die Patientin oder den Patienten noch die zuvor behandelnde Zahnärztin oder den zuvor behandelnden Zahnarzt zu beunruhigen, denn eine Instrumentenfraktur hat bei erfahrenen Endodontologen wenig Einfluss auf die Prognose des Zahnes.

Ob Instrumente brechen, hängt von folgenden Faktoren ab:

  • Qualifikation und Erfahrung der Behandlerin bzw. des Behandlers
  • Nutzungsdauer der Feilen
  • Sorgfalt bei der Vorbereitung der Kanaleingänge
  • Sorgfalt beim manuellen Anlegen eines Gleitpfades
  • dem richtigen Feilentyp
  • Art und Intensität der Spülung
  • Ruhe, Konzentration und Sorgfalt der Behandlerin und des Behandlers
  • der Mitwirkung der Patientin und des Patienten.

Ihre Vorteile bei unserer Wurzelkanalbehandlung

  • endodontische Feilen werden nachweislich nur für eine einzige Behandlung benutzt und der Patientin / dem Patienten als Beleg der individuellen Benutzung ausgehändigt
  • wenn erste Verschleißanzeichen mit dem Mikroskop erkennbar sind, werden die Feilen vorsorglich schon während der Behandlung ausgewechselt
  • erkennen wir ein abgebrochenes Instrument im Rahmen einer Behandlung, ergreifen wir sofort die notwendigen Maßnahmen. Wenn der Kanalabschnitt hinter dem Instrument noch infiziert ist und das Instrument der Desinfektion im Weg steht, wird es schnellstmöglich entfernt. Die Möglichkeit zur Entfernung besteht immer dann, wenn ein geradliniger Zugang hergestellt werden kann, ohne die Struktur der betroffenen Wurzel zu sehr zu schwächen.
  • für tief im Zahn steckende Instrumentenbruchstücke verfügen wir über spezielle Instrumente.

Fallbeispiel zur Entfernung eines abgebrochenen Wurzelkanalinstrumentes

Die 60-jährige Patientin hatte wegen Beschwerden bei ihrem Zahnarzt eine Wurzelbehandlung an einem Zahn 26 beginnen lassen. Zum Abschluss kam es nicht, weil fünf Mal in Folge nach jedem Termin erneut Beschwerden auftraten. Kofferdam wurde nicht verwendet. Das eingebrachte Medikament wirkte nicht schmerzlindernd. Schließlich wurde die Patientin mit der Bitte des vorbehandelnden Zahnarztes an uns überwiesen, das Bruchstück zu entfernen. Es ist nicht bekannt, zu welchem Zeitpunkt und bei welchem Termin das Instrument brach.

Undichte provisorische Füllung. Keime der Mundhöhle haben freien Zugang zum Wurzelkanalsystem.
Unter Kofferdam wurde ein präendodontischer Aufbau hergestellt.
Instrumentenbruchstück in der vorderen äußeren Wurzel.
Blick in den vorderen äußeren Kanal: Feilspäne versperren die Sicht.
Das Bruchstück ist frei gelegt und frei gespült und kann nun mit Ultraschall gelockert werden.
Das entfernte Bruchstück ist 3 mm lang.

Die mikroskopische Untersuchung ergab auch, dass bisher nur drei Kanäle gefunden waren. Ein vierter Kanal war unter Zahnhartsubstanz verborgen und wurde nun zusätzlich erschlossen.

 

 

 

Das Röntgenbild bestätigt die vollständige Entfernung des Bruchstückes und dient zugleich als Messaufnahme für die vier Kanäle.

Die Behandlung wurde mit der üblichen Routine zu einem positiven Abschluss gebracht. Die Beschwerden klangen bald ab.

Die Entfernung abgebrochener Instrumententeile gelingt:

  • zu nahezu 100% im oberen Wurzeldrittel
  • zu über 90% im mittleren Wurzeldrittel
  • zu rund 70% im unteren Wurzeldrittel, sofern zumindest die Hälfte des Bruchstücks vor einer Kurve erreichbar ist
  • in wenigen sehr ungünstig gelagerten Einzelfällen wurden Instrumentenbruchstücke mit dem Mikroskop von innen durch den Wurzelkanal auch schon jenseits einer Kurve oder sogar aus dem Knochen entfernt
  • die Langzeit-Erfolgsprognose verschlechtert sich durch ein Instrumentenbruchstück um maximal 6%, wenn die Behandlung hygienisch korrekt mit Spanngummi durchgeführt wurde. Hohen Anteil daran haben die vielen Wurzelbehandlungen an lebenden Zähnen, wo die Kanäle noch nicht bakteriell kontaminiert sind

Wurde die Behandlung jedoch ohne Spanngummi und ggf. noch mit weiteren Unvollkommenheiten durchgeführt, verschlechtert das die Prognose nach Instrumentenfrakturen sehr deutlich.

Falls ein Fragment nicht entfernt werden kann, sollte der Versuch unternommen werden, es zu passieren und dahinter normal weiter zu desinfizieren. Wenn das nicht möglich ist, sollte - erst nach korrekter Wurzelfüllung in allen zugänglichen Kanalanteilen - über eine mikrochirurgische Wurzelspitzenresektion nachgedacht werden.

Mehr Information siehe Downloads/Linkliste:
Download - Fallbeispiel Entfernung eines abgebrochenen Wurzelkanal-Instruments
Sonderdruck Endodontie 4-2012 Eggert: „Entfernung frakturierter Instrumente“
Masterthesis Dr. Eggert „Entfernung frakturierter Instrumente“

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